Wir Eltern brauchen eine eindeutige Haltung zu den modernen Medien
NL: Aber mal ehrlich, Filme gucken bei Youtube und Shoppen bei Ebay oder Amazon, das gehört
doch inzwischen schon ein wenig zur Normalität?
UB: Es braucht aufrechtes Interesse an irgendetwas - außer Chillen und Daddeln - dann ist das
Internet ein sinnvolles und überaus wichtiges Medium, das so Erstaunliches auslöst wie den
arabischen Frühling. Nur, mal ehrlich, wir erinnern uns noch, wie wir selbst mit 14, 15 waren.
Welcher 14jährige hat 365 Tage im Jahr ein aufrechtes Interesse? Für gewisse Hobbies, einen
Aufsatz, der wichtig ist. Aber: Was ist an den anderen Tagen?
Surfen und Blödsinn machen, da wird nicht über die Konsequenz nachgedacht. Das Problem beim
Internet ist eben nur: Der Blödsinn steht morgen immer noch da drin.
Im Moment hinkt die Justiz dem Ganzen noch fürchterlich hinterher, aber irgendwann wird so etwas
juristisch relevant. Und wir müssen uns auch klar machen, dass auch Kinderschutzsoftware nicht
lange hilft: Machen wir uns nichts vor, unsere Kinder sind versierter als wir Eltern, und es gibt
Millionen krimineller Anbieter und User, Viren etc.
Man kann einfach niemanden vor fragwürdigen Inhalten schützen. Ein 14jähriger kann rein
entwicklungspsychologisch betrachtet die Konsequenzen seines Handelns nicht überblicken, auch
nicht das, was altersgemäß ist.
NL: Aber wir können unseren Kindern doch nicht das Internet geschweige denn Facebook und Co.
verbieten, und selbst wenn wir das täten, dann würden sie eine Möglichkeit finden, zum Beispiel
bei Freund oder Freundin sich mit falscher Identität einzuloggen!
UB: Stimmt, aber sie wüssten, dass sie etwas machen, dass die Eltern nicht tolerieren. Das macht
einen Unterschied. Sie tun es heimlich mit vollem Bewusstsein, aber so ganz wohl fühlen sie sich
dabei nicht. Und auch wenn unsere Entscheidung unseren Kindern nicht passt, spüren sie, dass uns
nicht egal ist, was sie machen.
NL: Natürlich ist es uns nicht egal…
UB: Klar, aber es ist wichtig, dass wir als Erzieher eine eindeutige Haltung zu den modernen
Medien entwickeln und nicht, weil wir uns selbst nicht damit auskennen, die Kinder mal einfach
machen lassen und hoffen, dass es schon schief gehen wird.
NL: Also am besten doch zurück in die Steinzeit?
UB: Nein, es geht darum, welche Fähigkeit es braucht, nämlich seelisch moralische Reife, um das Internet zu nutzen. Ob pornografische oder extremistische Propaganda-Inhalte, die Frage ist, lasse ich mich dadurch beeinflussen? Zum Beispiel gibt es für das Attentat „9/11“ gute und sachliche Inhalte, aber auch Verschwörungstheorien. Ein engagierter Jugendlicher läuft Gefahr, dass er auch die fragwürdigen Inhalte übernimmt.
NL: Nun, das passiert ja sogar Erwachsenen.
UB: Genau. Und über deren seelisch moralische Reife wollen wir hier nicht reden.
NL: Was also tun?