Fürchtet Euch nicht!
 

Fürchtet Euch nicht!

»Fürchtet Euch nicht!« - so heißt das Zwölftklassspiel, das wir am 16. und 17. November sehen werden. Geschrieben von Sungard Rothschädl, einer österreichischen Theaterpädagogin, Autorin und Regisseurin, geht es in diesem Jugenddrama unter anderem um so provokante Fragen wie: »Warum drehen wir uns nur um uns selbst?«, »Wie oberflächlich ist unsere Gesellschaft?« und »Welche Zwänge halten uns im Bann?«

Zum Inhalt zunächst so viel: Sybille, Kim, David und viele andere sind schon eine Weile im Himmel, als Mara dazukommt, die eines gewaltsamen Todes starb. Muss ich verzeihen? ist ihre erste Frage. Denn erst dann kann sie ein Engel werden. Aber verzeihen ist eben nicht so einfach, wie es klingt. Und dass auch im Himmel jeder seine Persönlichkeit nicht so einfach ändern kann, zeigt sich schnell…
 

 

 Wolkenengel - Foto: Anna Göttlich

 

 …Am Ende stehen da häufig Menschen,
die sich selbst von einer ganz anderen Seite kennen gelernt haben.
 


Interview mit Andrea Christina Furrer, Schauspielerin, Theaterpädagogin und Regisseurin unserer jetzigen Zwölften.

NL: Andrea, du hast dir mit den Schülern dieses Stück ausgesucht?

Andrea C. Furrer: Zuerst habe ich mir von den Schülern ihre Wünsche angehört, dann habe ich einige Stücke rausgesucht und sie mit den Schülern besprochen.
 

NL: Warum »Fürchtet Euch nicht!«?

Andrea C. Furrer: Im Grunde hat das Stück eine ganz schlichte, fast profane Aussage: »Jeder ist eben, wie er ist«. Das Schuld und Vergebungsthema ist da nur ein Aspekt. Es ist ein sehr aktuelles Thema, das die Schüler betrifft.

NL: Also lieber kein Shakespeare?

Andrea C. Furrer: Die Themen der Klassiker bleiben immer aktuell. Der Nachteil an den Klassikern ist allerdings, dass sie häufig einige wenige Hauptrollen haben und mehrere kleine Nebenrollen.

NL: Wie läuft die Rollenverteilung ab?

Andrea C. Furrer: Zunächst versuche ich, ein Gespür für die Schüler zu bekommen. z. B., indem ich von jedem ein Porträtfoto mache. Die Energie, die da rüber kommt, gibt mir schon einen ersten Einblick.

NL: Was erwartest du von den Schauspielern?

Andrea C. Furrer: Dass sie Eigenverantwortung übernehmen für ihre Rolle im Ganzen, dazu gehört auch das Kostüm, die Requisite.

NL: Die Schauspieler sollen sich also mit ihrer Rolle im Ganzen befassen?

Andrea C. Furrer: Ja, es ist ähnlich wie in einem leeren Haus, da geht man durch die Räume, malt sich alles aus, schaut, ob es passen könnte. Nichts anderes ist es, sich in eine Rolle einzufinden. Man füllt sie mit seinen eigenen Gedanken. Die Zeit brauchen die Schüler. Darum steht im Vordergrund nicht so sehr der Text, sondern auch das Improvisieren und das »sich einfühlen«.

NL: Wie ist es für dich, ein Stück zu inszenieren?

Andrea C. Furrer: Für mich ist es ähnlich: Die Bilder und Impulse sind zu Beginn da, aber erst mit den Schülern bekommt es eine Form. Ich lass mich gerne überraschen. Das ist auch für mich ein Prozess. Meine Verantwortung ist es, die Schüler so zu lenken, dass sie sich mit ihrer Rolle entwickeln. Am Ende stehen da häufig Menschen, die sich selbst mal von einer ganz anderen Seite kennen gelernt haben.

NL: Vielen Dank für das Gespräch!