Das Handwerk in der MittelstufeIn dieser Altersstufe tritt das Handwerk in verschiedenen fachlichen Ausrichtungen in den Stundenplan. Am Material und am Prozess der handwerklichen Tätigkeit wird Geschick erworben und Sorgfalt erübt.
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Handarbeit |
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Ist der Lehrplan der Waldorfschule veraltet, rückständig und konservativ, wenn er von der ersten bis zur letzten Klasse handwerklich-künstlerischen Unterricht beinhaltet? Können wir uns noch so viele Unterrichtsstunden mit manueller Tätigkeit leisten? Unsere Schule will doch eine moderne, zukunftsgerichtete Schule sein.Namhafte Neurologen und Entwicklungsforscher wissen schon lange über das einzigartige Zusammenspiel von Hand und Gehirn beim Menschen. Handwerkliche Tätigkeiten können nicht theoretisch, sondern nur durch Üben der Koordination von Auge und Bewegung erworben werden. Einmal erlernte Leistungen können nur durch Wiederholen beibehalten werden (wie das Erlernen eines Musikinstrumentes).
Gerade das Fach Handarbeit bietet unseren Schülern das übende Element und das Wiederholen vor dem neuen Lernschritt, andererseits wird die Auge-Hand-Koordination in ausgeprägter Form geschult.
Die Tätigkeit unserer Hände begleitet uns ständig unbewusst gebend und in perfekter Übereinstimmung mit dem Denken. Die meisten Entschlüsse, die wir fassen, könnten wir ohne die Hilfe unserer Hände nicht in die Tat umsetzen.
Zunehmende Unfähigkeiten, das Leben zu meistern und den Alltag zu gestalten, sind heute zu beobachten. Grundfähigkeiten des Gestaltens im Elternhaus zu erwerben, ist nicht mehr selbstverständlich. Dadurch wird es zunehmend Aufgabe der Schule sein, den Kindern diese zu vermitteln, wenn wir den ganzheitlichen Bildungsauftrag ernst nehmen.
So beginnen wir in den unteren Klassen mit dem Stricken einfacher Dinge, bis hin zu einer eigenen Mütze, begleitet von ersten Häkelarbeiten. Nachdem in der vierten Klasse eine große Stickarbeit geleistet wird, an der auch das exakte Nähen von Hand geübt wird, lernen die Kinder in der fünften Klasse das Rundstricken und haben am Ende ein Paar Socken oder Handschuhe gearbeitet. Ab der sechsten Klasse wird das Nähen- zunächst mit der Hand- das Hauptthema der Handarbeit sein. Schnitte werden individuell konstruiert und praktisch umgesetzt.
Während diese Arbeiten immer das ganze Schuljahr über stattfinden, wird in der Obersstufe epochal im Handwerk gearbeitet.
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Holz |
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In der Mittelstufe (fünfte Klasse) beginnen die Schüler Holz mit dem Handschnitzmesser zu bearbeiten und dabei Kraft und Geschicklichkeit an einem festeren Material zu erproben. Im weiteren Verlauf wird das Werkstück nicht nur in den Händen gehalten sondern auch in der Werkbank eingespannt und mit dem Hohleisen und Holzklüpfel gestaltet, die feine Bearbeitung erfolgt dann mit dem von beiden Händen koordiniert geführten Hohleisen. In der achten Klasse, zum Ende der Mittelstufe werden einfache Tischlerarbeiten erlernt, Holzverbindungen mit Zapfen und Keil sind hier beispielhaft zu nennen. Die dann erforderlichen Werkzeuge sind die Spannsäge, der Hobel, der Winkel und die möglichst genau ausgeführte Arbeit damit.
Kraft und Geschicklichkeit sollen in diesem Fach eine Verbindung miteinander eingehen und ebenfalls die Koordination der Gliedmaßen geübt werden.
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Gartenbau |
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Unseren Schulgarten in der Brookkehre 12-14 gibt es seit 1998. Die augenblickliche Fläche beträgt etwa 5700 qm. Diese teilt sich auf in Anbauflächen, Grasflächen und Auslaufflächen für unsere Tiere. Ziegen sind die größten Bewohner im Schulgarten. Sie liefern uns Mist als Dünger für unsere Beetflächen. Durch Zucht versuchen wir mitzuhelfen, die vom Aussterben bedrohte Thüringer Wald Ziege zu erhalten. Laufenten unterstützen uns ordentlich bei der Schneckenjagd, Kaninchen ersetzen teilweise den Rasenmäher, Bienen sorgen für die Bestäubung unserer Obstbäume und Sträucher. Die Katzen Minka und Mikesch sorgen dafür, dass Mäuse und Ratten nicht überhand nehmen. Gut dreißig Hühner und ein Hahn versorgen uns mit Eiern, denn ab und zu wird gekocht und gebacken. Auf dem Grundstück gibt es ein Unterrichtsgebäude, einen großen Stall mit Heuboden, Gerätehütten, ein Backhaus, ein großes Gewächshaus und einen Bienenunterstand. Jede/r Schüler/in der sechsten bis achten Klasse kommt jede Woche für zwei Schulstunden in den Garten, um dort den Umgang mit unserer Erde, den Pflanzen und den Tieren zu erleben. Höhepunkt ist dabei das eigene Gemüsebeet in der siebten Klasse. Alles was von diesem Beet geerntet wird, tragen die Schüler/innen stolz nach Hause. Eine weitere zentrale Aufgabe in jeder Unterrichtseinheit ist der Haus- und Tierdienst.Alle Schüler/innen können so in unserem Schulgarten sehr lebensnah erfahren, was zur Grundversorgung eines Menschen wichtig und nötig ist. Ein recht intensives Jahr verbringt die dritte Klasse im Garten. Sie bauen dort Getreide und Kartoffeln an, pflegen, ernten und verarbeiten beides. Die erste und zweite Klasse kommen ab und an zu Besuch oder um einfache Aufgaben zu übernehmen.
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Landbaupraktikum |
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In der neunten Klasse absolvieren alle Schüler ein dreiwöchiges Praktikum auf einem biologisch- dynamisch wirtschaftenden Bauernhof oder einer Gärtnerei. Meistens zu zweit verbringen sie die Zeit geschlossen auf dem jeweiligen Hof und können dadurch intensiv in das landwirtschaftliche Leben eintauchen. Im Landbaupraktikum erwerben sich die Schüler Kenntnisse über die Erzeugung von Nahrungsmitteln bis zum Vertrieb. Sie sind eingebunden in körperliche Arbeitsprozesse und können sich durch den praktischen Bezug bewähren. Ein weiteres Ziel des Praktikums besteht darin, dass die Schüler ein Bewusstsein für die Verantwortung entwickeln, die der Mensch gegenüber der Natur und den Tieren hat. Die erworbenen Erfahrungen werden abschließend in Vorträgen dargestellt.
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