Kunst
 

Bildende Kunst

Von der ersten Klasse an kommt dem tätigen künstlerischen Gestalten eine besondere Rolle im Unterricht zu. In der Unter- und Mittelstufenzeit begleitet das Malen und Zeichnen die Vermittlung der Inhalte und vertieft das Erleben der Schüler. Es steigert die Verbindung mit dem Behandelten und schafft über Auge und Hand eine Brücke zur Welt, die der zunehmenden Verkopfung unserer Zeit entgegenwirkt.

 

Bei der Wahl der künstlerischen Mittel orientiert sich der Klassenlehrer dabei an der altersmäßigen Entwicklung der Schüler und der Situation in der Klasse. Viele Möglichkeiten stehen ihm dabei zur Verfügung:

 

Das Malen mit den flüssigen Aquarellfarben steigert die Phantasiekräfte, durch das Zeichnen mit Wachs und Buntstiften wird das Erleben der Unterrichtsinhalte vertieft. Geometrische und perspektivische Übungen sowie Sachzeichnungen schulen die Aufmerksamkeit und Vorstellungskraft.

 

Jedes wahrhafte künstlerische Tun hat darüber hinaus das Potential unsere Lebensfreude und unser Selbstbewusstsein zu steigern!

 
Mit dem Beginn der Oberstufe in der neunten Klasse bekommt der Kunstunterricht eine neuen Form: 
Der praktische Unterricht wird nun in kleineren Gruppen epochenweise erteilt, deren Inhalte sich entsprechend der altersgemäßen Situation der Schüler wandeln. (handwerklich-künstlerische Epochen)
Zusätzlich gibt es für die ganze Klasse das Fach Kunstbetrachtung in den Hauptunterrichts-Epochen.
 

Malerische Arbeiten

Das Lebensgefühl der Neuntklässler drückt sich gerne in Extremen aus. Das Hell-Dunkel-Zeichen trägt diesem Umstand Rechnung und versucht zugleich den Blick auf die differenzierten Zwischentöne der Welt zu lenken. Mit feinen Federzeichnungen oder Schraffurtechniken wird das Verhältnis von Licht und Schatten dargestellt. Die Beschäftigung mit Schattenwürfen und dem perspektivischen Zeichen aus der siebten und achten Klasse wird hier fortgesetzt und an unterschiedlichen Motiven vertieft.



 

Mit dem Übergang zur zehnten Klasse tritt die Farbe wieder in den Vordergrund des künstlerischen Arbeitens. Neben der Beschäftigung mit der Farbenlehre behandeln die Aufgaben die sich wandelnden Farb- und Lichtstimmungen der Natur. Die Farbe wird nach den Möglichkeiten ihres seelischen Ausdrucks erkundet.
 
Nach Möglichkeit zu Beginn der elften Klasse entsteht in der Druckerei der Schule ein gemeinsames Buch mit Illustrationen eigener Gedichte, für das verschiedene Drucktechniken zum Einsatz kommen. In Auflage gedruckt und verkauft, soll sich dieses Projekt finanziell selber tragen. Die malerische Arbeit dieses Schuljahres gibt den Schülern die Gelegenheit intensiver nach Wegen zum eigenen, künstlerischen Ausdruck zu suchen.  Übergroße Formate oder ungewohnte malerische Techniken fordern die Schüler heraus die eigenen Möglichkeiten zu erweitern, um einem möglichst dichten Aussagegehalt zu erreichen.



 

Die zwölfte Klasse ist von der Beschäftigung mit dem menschlichen Portrait geprägt. Malerisch und zeichnerisch ist die Auseinandersetzung mit der menschlichen Individualität, mit dem fremden, aber auch dem eignen Antlitz gefordert. Thematisch variiert die weitere Arbeit in der zwölften und dreizehnten Klasse je nach den gewählten Themen für die Abiturprüfung.
 

Bildhauerische Arbeiten

Unsere Schüler lernen schon in der Unter- und Mittelstufe die Arbeit mit dem Ton kennen. Je nach Klassenstufe fertigen die Klassenlehrer mit ihnen ersten Formen, Figuren und Gefäße, die oft auch gebrannt und mit nach Hause genommen werden.
Die Arbeit der Oberstufe reicht vom sorgfältigen Gestalten regelmäßiger geometrischer Formen und platonischer Körper bis zur Beschäftigung mit der menschlichen Gestalt und ihrer Ausdrucksmöglichkeit durch Gesten.
In der zwölften Klasse gibt es die Gelegenheit, einen lebensgroßen Kopf aus Ton zu gestalten. In der sogenannten Aufbautechnik entsteht eine hohl aufgebaute Büste, die von Innen und Außen plastisch ausgeformt werden kann, so dass den natürlichen Wachstumsprozessen nachgespürt werden kann.
Ein feines Tastempfinden wird entwickelt und gefördert, ein gutes Gleichgewichtsgefühl und ein räumliches Vorstellungsvermögen.
Teilweise wird in der elften Klasse auch das bildhauerische Schnitzen in Lindenholz angeboten. Fester Bestandteil der Kunstfahrt der zwölften Klasse  nach Italien ist aber die Steinbildhauerei in Carrara-Marmor. 
 

Kunstbetrachtung

Ab der neunten Klasse wird das Fach Kunst als so genannte Kunstbetrachtung in den Epochen des Hauptunterrichtes gegeben. Ziel ist das Bilden eines eigenen ästhetischen Urteilsvermögens im Umgang mit den Raum- und Zeitkünsten und das Kennen- und Verstehen-Lernen kunst- und kulturgeschichtlicher Entwicklungsschritte.
Schwerpunkt der neunten Klasse bildet die Entwicklung der figürlichen Bildhauerkunst von Ägypten bis ins Mittelalter und in einer zweiten Epochedie Kunst der Renaissance.
Die zehnte Klasse befasst sich mit den Formen der Poetik und Sprachkunst.
In der elften Klasse wird das Spektrum der künstlerischen Gestaltungsimpulse anhand von Werken der Malerei und oft auch der Musik beleuchtet.
Thema der zwölften Klasse ist die Architektur als künstlerischer Ausdruck der Kulturen sowie die grundsätzlichen, technischen wie auch sozialen Gestaltungsfragen der Baukunst. Gerade hier fließen vielfältige Aspekte der vergangenen Schuljahre zusammen, die sich alleine im Klassenraum schlecht vermitteln lassen, daher ist die abschließende Kunstfahrt der zweite Teil der Epoche. 
 

Die Kunstfahrt

Die abschließende Kunstreise in der 12. Klasse verdichtet in der unmittelbaren Begegnung mit den Kunst und Bauwerken, mit dem eigenen Tätigsein und künstlerischen Verarbeiten die Impulse der Kunstbetrachtungsepochen in der Oberstufenzeit. Neben dem Fokus auf dem Thema der Kunstepoche der zwölften Klasse, der Architektur, gibt sie einen weiten Überblick über das in der Schulzeit Betrachtete und kann als abschließender Höhepunkt der Waldorfschulzeit angesehen werden.
 
Neben architektonischen Skizzen und Naturstudien wird die Gelegenheit wahrgenommen, direkt vor Ort mit italienischem Marmor bildhauerisch zu arbeiten: