Politiker in unserer Schule
 

Die Wahl steht an!

Die Wahl steht an! Das war das Motto in unserer Schule in den Wochen vor der Bundestagswahl am 22. September. Mit vollem Einsatz motivierte Herr Heiderich die Schüler der 12. und 13. Klasse zum Wählen. Dank ihm kamen Politiker/innen aller großen Parteien in die Rudolf-Steiner-Schule und versuchten die Schüler von ihrer Partei zu überzeugen. Dies mit ganz unterschiedlichen Mitteln. Der eine Kandidat mit lockerer Unterhaltung zwischen ihm und den Schülern, der andere Kandidat mit Beamer und Power-Point Präsentation. So wurde den Schülern manchmal deutlich, manchmal weniger deutlich gemacht, worin das Wahlprogramm der verschiedenen Parteien besteht.

Als Erste besuchte uns Sabine Böddinghaus von den LINKEN. Als Direktkandidatin in Bergedorf/Hamburg, Erziehungswissenschaftlerin und bildungspolitische Expertin macht sie sich stark für „Eine Schule für Alle“. Außerdem wurde in der Frage und Antwortrunde deutlich, dass Böddinghaus sich für ausreichend bezahlbare Wohnungen, gute Arbeitsplätze mit gerechtem Lohn, eine menschenwürdige Gesundheits- und Altersversorgung und eine gebührenfreie Bildung und Betreuung einsetzt. Die Hauptaussage war: DIE LINKE ist eine stolze Oppositionspartei!

Ökologische Energiewende statt steigende Strompreise, konsequent auf Erneuerbare Energien setzen, gemeinsam verändern! Welche Partei könnte das sein? Natürlich Bündnis 90/Die Grünen. Das Wahlprogramm der GRÜNEN brachte uns der Direktkandidat für Hamburg-Bergedorf-Wilhelmsburg Manuel Sarrazin näher. Neben der Energiewende hat der Politiker eine Leidenschaft für Europa. Im Bundestag sitzt er im Europaausschuss und setzt sich für einen klaren pro-europäischen Kurs ein. Ähnlich wie DIE LINKE stehen die GRÜNEN außerdem für bezahlbare Mieten, einen fairen Mindestlohn, die Abschaffung des Betreuungsgeldes und mehr soziale Gerechtigkeit.

Als nächstes stattete uns der CDU-Politiker und Vertreter des Wahlkreises  Herzogtum Lauenburg/Stormarn-Süd, Norbert Brackmann, einen Besuch ab. Brackmann empfing uns mit einer vorbereiteten  Power-Point Präsentation und hoffte uns so seine Meinung und die der CDU näher bringen zu können. Relativ schnell drängten sich allerdings die Fragen der diskussionsfreudigen Schüler in den Vordergrund, die Norbert Brackmann nicht immer verständlich beantworten konnte. Allerdings wurde doch mehr oder weniger deutlich, wofür sich der CDU Politiker einsetzt: für eine starke Regierung für Deutschland bzw. dafür, dass Angela Merkel Bundeskanzlerin bleibt, für eine starke Wirtschaft, für mehr Arbeitsplätze und für einen stabileren Euro.

Die Hamburger unter den Schülern der 12. und 13. Klasse konnten neben der Bundestagswahl noch eine weitere Entscheidung fällen: Ja oder Nein zum Netzrückkauf in Hamburg. Anlässlich dieses bevorstehenden Volksentscheides kamen eine Befürworterin und eine Gegnerin des Rückkaufes der Energienetze in unsere Schule. In einer Debatte zwischen diesen beiden sprach sich Wiebke Hansen, Mitglied der Initiative „Unser Hamburg – Unser Netz“, für den Netzrückkauf aus. Dies sei gut für das Klima und gut für die Stadt Hamburg. Hamburg wäre unabhängiger von den großen Energieversorgern Vattenfall und E.on. und außerdem würde Hamburg von dem Netzrückkauf  finanziell profitieren, so Hansen. Auf der anderen Seite sprach sich Peri Arndt, Mitglied der SPD, gegen den Netzrückkauf aus, da einerseits die Finanzierung der Übernahme von 100% der Energienetze unrealistisch sei und andererseits ein Rückerwerb auf einen langwierigen Rechtsstreit hinauslaufen würde und dies ein schnelles Einleiten der Energiewende verhindern würde.

Als nächstes besuchte uns Nina Scheer, die SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Herzogtum Lauenburg/ Stormarn-Süd, die seit 1987 in der SPD aktiv ist. Sie argumentierte unter anderem für einen würdigen gesetzlichen Mindestlohn, gegen das Betreuungsgeld, da sich mit diesem Geld über 100.000 Kitaplätze finanzieren ließen, und für die Erhöhung des Spitzensteuersatzes. Außerdem setzt sie sich für ein Verbot von Fracking ein, da dieses Verfahren das Trinkwasser und unsere Gesundheit gefährde, sowie unkalkulierbare Folgen nach sich ziehen könnte.  

Als letzter besuchte uns der FDP Direktkandidat für Hamburg Süd und Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft Dr. Kurt Duwe. Werte und Ziele, die ihm wichtig seien, sind unter anderem Bürgerrechte und persönliche Freiheit, wirtschaftliche Freiheit, Offenheit und Toleranz, Menschenwürde und Menschenrechte und christliche Werte. Außerdem sprach er sich für eine umweltfreundliche, bezahlbare und praktikable Energiepolitik aus, dafür dass kein Mindestlohn eingeführt werden sollte und dass die Hartz-IV Leistungen nicht erhöht werden. Wenn auch dem einen oder anderen Schüler nicht alles in Erinnerung bleiben sollte, die Redewendung „etc. pp.“ blieb nach diesem Gespräch auf jeden Fall hängen.
Nun ist die Bundestagswahl 2013 vorüber und das Ergebnis steht fest. Auch wenn noch keine zukünftige Regierung gefunden wurde, steht auch etwas anderes fest: Die Bundesbürger sind wieder wahlfreudiger geworden. Lag die Wahlbeteiligung 2009 noch bei ungefähr 70%, so ist sie bei dieser Bundestagswahl auf rund 73% gestiegen. Vielleicht verdanken wir dies auch zu einem kleinen Teil Herrn Heiderich und seinem Engagement.
 
Luise Land, Klasse 13