Sommerfilm
 

Bergedorf-Projekt »Sommerfilm 2011«

Über die Sommerferien starteten Elisabeth Schramm und Tobias Adam, beides Ehemalige unserer Schule, ein arbeits- und Spaß-intensives Projekt: Sie produzierten einen Bergedorf-Film mit viel Hip-Hop, Spannung und: Schülern unserer Schule.
 
 
Redaktion Newsletter (NL): Was macht ihr beruflich zurzeit?
 
Tobias Adam (TA): Ich studiere angewandte Kulturwissenschaften in Lüneburg und schreibe gerade meine Magister-Arbeit »zur Entwicklung und aktuellen Situation von Quizsendungen«. Seit August 2010 arbeite ich auch bei der Firma J.B.K. TV-Productions, die die »Johannes-B.-Kerner-Show« und »Das große Allgemeinwissensquiz« produziert.
 
Elisabeth Schramm (ES): Ich bin hauptberuflich Ballettlehrerin beim TSG in den Bereichen Ballett und Modern Dance, biete aber auch Salsa-Kurse an.
 
NL: Wie kamt ihr auf die Idee, einen Hip-Hop-Film zu drehen?
 
ES: Das war ursprünglich eine Idee von mir. Für mich stellte sich die Frage: Was mache ich in sechs Wochen Sommerpause und da habe ich mich für ein Sommerfilm-Projekt entschieden und Tobi gefragt, ob er mit dabei ist. Ich wollte schon immer mal in die Richtung Film, fotografiere auch sehr intensiv, da ist das fast der zweite Schritt. Am liebsten arbeite ich mit Kindern. Bei dem Achtklassstück »Tanz um dein Leben!« habe ich auch Drehbuch, Regie und Choreographie geführt.
 
NL: Aber ausgerechnet einen Film mit Spielfilmlänge zu drehen, ist das nicht eine Nummer zu groß?
 
ES: Mich reizen einfach Projekte, die im ersten Moment unmöglich wirken, zeitaufwändig sind und wo man denkt, kann man das schaffen?
 
NL: Hat euch das die Schule vermittelt: Alles, was unmöglich ist, ist machbar?
 
ES: (Lachen) Nö. Aber die Vielseitigkeit, die man braucht, um so etwas durchzuziehen, das hat mir die Schule mitgegeben. Auch das Improvisieren und aus den einfachsten Mitteln etwas zu zaubern.
 
NL: Hat der Film denn mehr Spaß gemacht als er anstrengend war?
 
ES: Das nicht. Anstrengend war’s auf jeden Fall. Ich sage mal, Spaß und Stress haben sich da meistens die Waage gehalten.
 
 
TA: Wir saßen da schon zwischen 12 bis 14 Stunden pro Tag an dem Projekt dran. Es war echt unglaublich toll, wie alle da mitgemacht haben, von den Leuten am Set über die Darsteller, und das ohne einen Cent dafür zu bekommen. Und es gab natürlich auch Tage, an denen einfach alles schief ging. Das falsche Wetter, Fahrradunfall eines Darstellers, das Equipment war samt Autoschlüssel im eingeschlossenen Auto… da kamen wir als die Verantwortlichen schon mal an unsere Grenzen.
 
NL: Wie habt ihr die Leute überhaupt alle zusammen bekommen?
 
TA: Über Facebook und auch sonst hatten wir Kontakt zu Ehemaligen, Schülern und anderen Kreativen.
 
ES: Das ganze Equipment und die Freiwilligen zusammen zu kriegen, das war aber auch eine echte Herausforderung. Die Darsteller bekommt man dagegen schneller zusammen.
 
NL: Wohl auch, weil es cool ist, mal »Filmstar« sein zu dürfen?
 
ES: Der Gedanke, im Film aufzutreten, reizt natürlich und ich denke, bei den Jungdarstellern ist es auch so ein wenig das Alter, in dem man das möchte. Außerdem waren ja Ferien, da bietet sich so eine Form des Zeitvertreibs gut an.
 
NL: Warum ausgerechnet Bergedorf?
 
TA: Es war praktisch, weil die meisten unseres Teams hier aus der Umgebung kommen. Und Bergedorf ist unglaublich vielseitig in seinen Locations, der alte Südbahnhof mit dem Atelier von Oliver Hertel (Künstler und Vater an der Schule, die Red.), das Villenviertel, der Schrottplatz, die Hinterhöfe… Kein Location-Scout hätte bessere Drehorte so nah beieinander finden können.
 
NL: Hattet ihr Sponsoren?
 
TA: Das war sehr schwierig, welche zu bekommen, weil wir drei Monate davor Planung und Drehbuch fertig hatten und zwei Monate vor Drehbeginn anfingen, nach Sponsorengeldern zu suchen. Bei der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein GmbH zum Beispiel muss man das am besten knapp zwei Jahre vorher beantragen.
 
ES: Zum Schluss haben wir »pizza.de« als unseren Hauptsponsor gewinnen können. 5000 Euro haben wir von denen bekommen. Und einige Apotheken haben uns etwas dazu gegeben. Mein Vater hatte als Pharmareferent Kontakte dahin.
 
NL: Ohne Beziehungen läuft also nix… Reichten die 5000 Euro für den Film?
 
ES: Es reichte so gerade, weil ich auch aus eigener Tasche etwas Equipment gekauft habe und weil das Team umsonst gearbeitet hat. Für 5000 Euro kann man einfach keinen Film drehen. Normalerweise. Das Geld haben wir hauptsächlich für das Equipment ausgegeben und für die Verpflegung der Darsteller und des Filmteams.
 
NL: Wer vom Filmteam ist denn alles »Waldi« gewesen?
 
Sechs der Hip-Hop-Darsteller waren aus der jetzigen neunten Klasse der RSS-Bergedorf, dann hatten wir noch am Set zwei Ehemalige, Sven Voß und Julian Schramm, an der Kamera. Sam Wenzel aus der 13ten Klasse war Kamera-Assistent, und die Ehemaligen Philine Ernstorfer und Lotta Willers haben auch mitgemacht.
 
NL: Wie haben die Medien darauf reagiert?
 
ES: Die Bergedorfer Zeitung hat zweimal berichtet, das Hamburger Abendblatt hat einmal berichtet und wir waren sogar im Fernsehen: Die Sendung »Hamburg-Journal« vom NDR hat einen Bericht über unser »Ferienprojekt« gebracht. Wenn man etwas von dieser Super-Stimmung wissen will, die da geherrscht hat, der kann das auch auf unserer Facebook-Seite Sommerfilm 2011 und auf youtube, Stichwort »Sommerfilm 2011« sehen, da bekommt man einen guten Einblick. Und es war einfach irre: Im Villenviertel haben Bewohner ihre Tür zur Verfügung gestellt, die wir glaub ich 50 x mal für eine Szene öffnen mussten. An einem Regentag haben wir vom Cafe Chrysander im Park die großen Sonnenschirme zur Verfügung bekommen für’s Equipment…
 
TA:…oder jemand hat uns aus seiner Wohnung mit Strom versorgt. Einfach so, weil sie das toll fanden und helfen wollten.
 
ES: Ich denke, das war auch das, was am meisten Spaß gemacht hat, die Begeisterung und Unterstützung der Leute um uns herum.
 
NL: Insgesamt lockt das Medium Film gewaltig, oder?
 
TA: Offiziell steht das ja eher im Hintergrund an Schulen wie unserer. Zumindest ist das immer mein Eindruck gewesen. Aber die Faszination, die Film ausübt, ist schon sehr groß, unbestritten.
 
NL: Wie sieht die Zukunft aus - für den Film und für euch beruflich?
 
TA: Also, der Sommerfilm 2011 muss jetzt erst mal geschnitten werden. Das sind etwa 80-90 Stunden Rohmaterial!
 
ES: Wir müssen die ausgewählten Sequenzen noch zu einem großen Ganzen zusammenführen. Vorsortiert habe ich das bereits. Die Musik wird derzeit geschrieben, übrigens auch von Waldis: eine Ehemalige, Mia Biermann-Rathjen, und zwei Schüler aus der elften Klasse, Mina Keyhani und Tobias Nitzbon. TA: Den Film werden wir dann wohl zum Frühjahr nächsten Jahres zeigen, da passt der Sommerfilm ja auch vom Timing ganz gut. Außerdem denken wir über Pläne nach, eine eigene Produktionsfirma zu gründen. Da macht sich der Film als Aushängeschild auch ganz gut.
 
NL: Gibt es etwas, dass einen Waldorfschüler vorteilhaft auszeichnet? Was denkt ihr?
 
TA: In der Fernseh- Branche ist bekannt, dass Waldorfschüler eine sehr offene, soziale und vor allem sehr kollegiale Art haben, teamfähig sind und sich selbst nicht so wichtig nehmen, eher im Team, im »Kollektiv« denken.
 
ES: Beim Erarbeiten des Storyboards kam uns die Waldorf-»Ausbildung« ebenfalls zugute! Ich sage das bewusst: Allein ein Klassenstück auf die Beine zu stellen, mit Bühnenbild, Kostüme nähen, Drehbuch, Regie, Choreographie, Musik, bis hin zum Flyerentwurf und zur Öffentlichkeitsarbeit, das ist im Grunde schon die perfekte Ausbildung. Danach braucht man im Grunde nichts mehr. (Lachen)
 
Mehr Bilder, Filminterviews, Making-of-Szenen und Infos gibt es hier: www.youtube.com/Sommerfilm2011. Und: Wer rechtzeitig über die Filmaufführung informiert oder potentieller Förderer dieser Kreativen werden möchte, schickt eine Email an newsletter@waldorf-bergedorf.de
 
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