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Die Grundlagen der Waldorfpädagogik im ersten Lebensjahrsiebt

Im Mittelpunkt des Erziehungsgeschehens steht bei uns immer die Begegnung: Das Hauptmotiv der Waldorfpädagogik ist die konkrete Beziehung zwischen Kind und Erziehender/m. Dies ist die Basis dafür, dass das Kind sich am Erwachsenen als Vorbild orientiert und ihn nachahmt. Rhythmus und Wiederholung im Tages-, Wochen- und Jahreslauf bieten den sicheren Rahmen, in dem dies passieren kann. Die Ermöglichung vielfältiger Sinneserfahrungen unterstützt das Kind, die Fähigkeiten zu entwickeln, die es zum Lernen in der Schule und für eine kreative Begegnung mit den Herausforderungen des Lebens benötigt. Hierzu gehört auch ein mündiger Umgang mit den digitalen Medien im Erwachsenenalter.

Vorbild und Nachahmung

Ein Kind lebt alles mit, was in seiner Umgebung geschieht. Es tut, was es die anderen tun sieht und entwickelt den Drang, alles nachahmend zu verarbeiten. Es ahmt nach, was Mutter und Vater, Geschwister und die Erzieher tun – auch die Art, wie sie handeln, fühlen, sprechen und denken. So entwickelt das kleine Kind im ersten Jahrsiebt die Fähigkeiten, mit denen es sich in immer größerer Selbständigkeit in die Welt einfügt.

Auch das soziale Miteinander wird im Kindergarten geübt. Dabei streben wir eine gute Balance zwischen den Bedürfnissen des einzelnen Kindes und denen der Gruppe an. Angelegte Gewohnheiten und Regeln geben den sicheren Rahmen, der die Übernahme von Aufgaben ermöglicht und in dem die Kinder sich nachahmend orientieren, aber auch entstehende eigene Gestaltungsräume nutzen können.

Das Menschwerden wird am Vorbild des Menschen gelernt. Für uns Erzieher bedeutet dies, bei sich selbst zu beginnen, sich selbst zu erziehen – eben gutes Vorbild zu sein. Nicht Belehrung, sondern eine sorgfältige Führung, sinnvolle und überschaubare Tätigkeiten, Freude und Liebe zum Kind sind unsere Leitmotive im Kindergarten-Alltag.

Rhythmus und Wiederholung

Alles Leben entsteht und entfaltet sich Schritt für Schritt, Phase für Phase, als eine Abfolge von Formen, die von elementaren zu komplexen Stufen des Seins führt. Die Natur besteht aus unterschiedlichsten Rhythmen wie Herzschlag und Atmung; Tageslauf, Jahreslauf; der Gang des Mondes und der Gestirne usw. Rhythmen sind natürlich und verlässlich, sie geben uns Sicherheit und Vertrauen auf Vorhersehbares.

Als Erwachsene haben wir diese Rhythmen mehr oder weniger „unsichtbar“ in unsere Leben integriert. Kinder brauchen diese rhythmischen Abläufe viel spürbarer: Schlafen und Wachen, Ruhen und Bewegen, Essen und Spielen etc. Die rhythmisch gestalteten Tages-, Wochen- und Jahresabläufe in unseren Kindergärten geben Sicherheit, Orientierung, Vertrauen und Geborgenheit.

Tag, Woche, Jahr

Den Rhythmus des einzelnen Tages gestalten wir mit abwechselnd freiem und geführtem Spiel wie z. B. Morgenkreis oder Puppenspiel. Die Wochentage unterscheiden sich u.a. durch unterschiedliche Frühstücksangebote und Aktivitäten wie Wasserfarbenmalen, Eurythmie und Kinderharfe. Der Jahresrhythmus bietet uns viele Anlässe, zu feiern: Erntedankfest, ein Adventsgärtlein, Weihnachten, Drei Könige, Ostern, Pfingsten, etc. Der Laternenumzug durch die früh einsetzende Dunkelheit im November bringt eine besondere Stimmung für alle Kindergartenkinder und deren Familien.

Sinneserfahrungen

Kinder sind von Natur aus neugierig. Sie wollen Ihre Umwelt mit allen Sinnen erfahren und erforschen. Sie lernen dabei ganz nebenbei Zusammenhänge kennen und erfahren diese begreifend. Diesem Forscherdrang bieten wir eine entsprechende Umgebung: harmonisch gestaltete Räume, natürliche Spielmaterialien, täglicher Aufenthalt im Freien, Matschstraße usw.

Bewegung

Ausreichende Bewegung im Kleinkindalter ist für die Gehirnentwicklung unerlässlich. Daher unterstützen wir Körperwahrnehmung, Körpergefühl und die Entwicklung der Grob- und Feinmotorik durch vielfältige Bewegungsangebote wie z.B. Laufen, Klettern, Seilspringen, Stelzen laufen, Mithilfe bei Gartenarbeit oder Frühstücksvorbereitung, Reigen und Eurythmie.

Sprachentwicklung

Lieder, Geschichten, Verse, Fingerspiele und Reime haben einen großen Stellenwert in unserem Kindergartenalltag. So unterstützt der Kindergarten die Sprachentwicklung und trägt dazu bei, dass das Kind sich mehr und mehr in der deutschen Sprache beheimatet fühlt. Wichtig ist uns dabei eine altersgemäße bildhafte Ansprache, die die Phantasie des Kindes anregt und unsichtbaren Wesen wie Zwergen, Engeln, Elfen Räume lässt.

Kreativität

Phantasie und Kreativität wird auch durch unsere nicht genormten und kaum fertig ausgestalteten Spielmaterialien gefördert. In der Freispielzeit dürfen die Kinder ihre schöpferischen Kräfte ausleben: Drinnen stehen ihnen neben den Spielmaterialien auch Tische und Stühle zur Verwirklichung verschiedenster „Bauwerke“ zur Verfügung. Drinnen und draußen wird Gehörtes und Erlebtes im freien Spiel verarbeitet und sich zu eigen gemacht. Es ist eine große Freude, die Konzentration und die stets aufs Neue sich entzündende Schaffensfreude der Kinder wahrzunehmen.

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